
Stark nachgefragt: Spezialbiere auf dem Vormarsch
Die belgische Spezialbier-Brauerei De Halve Maan hat ihre Abfüllkapazität mit einer neuen Mehrwegglas-Linie von Krones mehr als verdoppelt.
Jährlich zweistellige Zuwachsraten, von null auf 65.000 Hektoliter in 15 Jahren und eine immer stärkere internationale Nachfrage – da war es nur eine Frage der Zeit, bis eine neue Abfüllanlage mit einer höheren Leistung und mehr Flexibilität bei der Verpackung erforderlich wurde. Dies setzte die belgische Spezialbier-Brauerei De Halve Maan (zu Deutsch „der Halbmond“) jetzt mit der Installation einer neuen Krones Linie um.
Offiziell führt Xavier Vanneste die Brauerei De Halve Maan im belgischen Brügge zwar in der sechsten Generation, jedoch mit Unterbrechungen. Tatsächlich sahen die Zeiten zwischenzeitlich nicht gut aus für den Familienbetrieb: Sein Großvater verkaufte die erfolgreichste Marke Straffe Hendrik (zu Deutsch „starker Heinrich“, eine Huldigung an alle starken Hendriks und Henris in der Familie) schon 1988 an eine Brauerei, 2002 stellte seine Mutter den Betrieb sogar komplett ein. Doch Xavier Vanneste wollte wieder ein Bierbrauer sein, wie seit 1856 fünf Generationen seiner Familie vor ihm. Das historische Gebäude und die alten Gerätschaften waren noch vorhanden. „Meine Familie war anfangs gar nicht begeistert von meinen Plänen, die Brauerei wiederzubeleben, weil sie wusste, wie schwierig das Geschäft ist“, erzählt er. „Aber es war auch nicht schlecht, diese kritischen Stimmen in meinem Umfeld zu haben, die meinen Business-Plan begleiteten. Noch dazu hat meine Familie natürlich auch Branchenwissen und das ist immer gut.“
Brauerei 2005 wiederbelebt
Zur Wiederaufnahme des Braubetriebs im Jahr 2005 entwickelte Xavier Vanneste das Bier Brugse Zot (zu Deutsch „der Narr von Brügge“), das bei den Konsumentinnen und Konsumenten schnell sehr gut ankam. Heute ist Brugse Zot das bekannteste Bier aus der Brauerei De Halve Maan, das es in vier Varianten, darunter einer alkoholfreien, gibt. Etwa 70 Prozent des Ausstoßes entfallen auf diese Marke.
Inzwischen war die Brauerei, die 1988 Straffe Hendrik gekauft hatte, insolvent gegangen und Xavier Vanneste gelang es 2008, die Marke vom zwischenzeitlichen Besitzer zurückzukaufen. Unter diesem Namen produziert De Halve Maan heute diverse Starkbiere mit Alkoholgehalten von 8,5 bis elf Volumenprozent. 2019 erwarb die Brauerei außerdem die traditionsreiche Brügger Weißbier-Marke Blanche de Bruges (zu Deutsch „Brügger Weiße“).
Insgesamt stellt De Halve Maan heute rund zehn verschiedene obergärige Biere her und unterzieht diese – typisch belgisch – einer Nachgärung in der Flasche. Dazu wird bereits bei der Filtration etwas Zucker zugegeben, die Biere erst kurzzeiterhitzt und danach Hefe inline zudosiert. Die abgefüllten Flaschen verbleiben dann zur Nachgärung noch 14 Tage in einer Wärmekammer, bevor sie die Brauerei verlassen.
Sudhaus CombiCube in der traditionellen Braustätte
Bis zum Jahr 2010 war der Ausstoß schon ordentlich auf rund 15.000 Hektoliter gestiegen – und die Räumlichkeiten in der Altstadt von Brügge wurden zu klein. Deshalb verlegte die Spezialbier-Brauerei die Abfüllung und den Lagerkeller in ein neues Gebäude an den Stadtrand und installierte darin eine Keg-Linie sowie eine gebrauchte Krones Glas-Abfüllanlage, die sie mit Kosme(öffnet externen Link in neuem Tab) Maschinen komplettierte. Tanklaster transportierten das Grünbier vom Brauereistandort mit Sudhaus und Gärkeller durch die ganze Stadt zu den Räumlichkeiten für Lagerung und Abfüllung. Das änderte die Brauerei 2016, als sie spektakulär eine mehr als drei Kilometer lange Pipeline unterirdisch zwischen der Braustätte und der Abfüllung verlegen ließ.
Da lag die Jahresproduktion schon bei rund 50.000 Hektoliter. Die Pipeline besteht aus insgesamt vier Rohren, durch die alle Biere zur Abfüllung beziehungsweise das Brauwasser von dort zurück zur Braustätte fließen. Bereits 2014 hatte De Halve Maan ein neues Sudhaus, einen Steinecker CombiCube(öffnet externen Link in neuem Tab), in Betrieb genommen, das eine Sudkapazität von 200.000 Hektolitern pro Jahr bietet und damit für Kapazitätssteigerungen in der Zukunft offen ist.


„Lange und interessante Gespräche mit vielen Menschen“
Durch die steigende Nachfrage nach den Spezialbieren kam die Abfüllanlage mit einer Leistung von 8.000 Flaschen pro Stunde bald an ihre Kapazitätsgrenzen. „Sie lief schon im 24/7-Modus mit drei Schichten pro Tag. Dann folgten Besuche bei Braukollegen sowie lange und interessante Überlegungen und Gespräche mit vielen Menschen, wie es weitergehen sollte, welche Technologien die richtigen wären und welche Partner wir wählen sollten“, erinnert sich Xavier Vanneste. „Das erstreckte sich über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren, weil wir auch noch das Grundstück neben der vorhandenen Abfüllung kaufen mussten.“ Denn am Ende entschied sich die Familienbrauerei für eine Neuinvestition und errichtete eine weitere Abfüllhalle. Diese bietet nun Platz für die Keg-Anlage sowie eine neue Flaschen-Abfüllanlage mit einer Leistung von 24.000 Behältern pro Stunde (bezogen auf die 0,33-Liter-Flasche). Mit der Inbetriebnahme im Mai 2021 ersetzte diese Linie die vorhandene und erhöhte gleichzeitig die Kapazität deutlich. Den Auftrag erhielt erneut Krones.
Rinser-Füller-Block mit minimaler Sauerstoffaufnahme
Die neue Linie setzt sich im Nassteil unter anderem zusammen aus:
- Behälter-Sortiersystem Sekamat
- Einend-Reinigungsmaschine Lavatec E3
- Leerflaschen-Inspektor Linatronic
- Rinser-Füller-Block mit Moduljet und Modulfill HES
- Modul-Etikettiermaschine Ergomodul
Der Rinser-Füller-Block ist eingehaust und wird mit Schaum gereinigt. Nach dem Füllen werden einige heiße Wassertropfen in die Flasche injiziert, durch den Temperaturunterschied kommt es zum Aufschäumen des Bieres. Dieser Schaum verdrängt die Luft im Flaschenhals, woraufhin die Flasche sofort verschlossen wird. So kann die Sauerstoffaufnahme auf ein Minimum reduziert werden. Zusätzlich zum Kronenkorken-Verschließer verfügt die Linie über einen freistehenden Naturkorker und Verdrahter für 0,75-Liter-Flaschen. Die Modul-Etikettiermaschine Ergomodul kann sowohl Kaltleim- als auch Selbstklebe-Etiketten verarbeiten.
Flexible Varioline
Im Trockenteil arbeiten zu Beginn der Linie ein Palettenentlader Modulpal Pro 2A mit hohem Auslauf, ein Behälterabschieber Pressant Universal 1N sowie ein Auspacker Smartpac.
Zum Verpacken verfügt die Linie über eine Verpackungsstraße Varioline 3M mit Kartonverschließer Variocol. Palettiert werden die fertigen Gebinde von einem Modulpal Pro 3AR.
Die Varioline bietet mit ihren drei Modulen vielfältigste Verpackungsvarianten, unter anderem:
- Verpacken von losen 0,33- und 0,25-Liter-Glasflaschen in Kästen oder Kartons
- Verpacken von 0,75-Liter-Flaschen in Kästen oder Kartons, die dann vom Kartonverschließer Variocol verschlossen werden
- Auflegen von Sunshields auf Kästen
- Aufsetzen von Hals-Clips
- Herstellen von 4er- oder 6er-Cluster-Verpackungen „over-the-top-closed“ und Einpacken in Kartons oder Kästen
„Die Flexibilität dieser Varioline ist sehr hoch. Sie erlaubt uns, ganz unterschiedliche Verpackungen zu produzieren“, urteilt Bernard Degroote, verantwortlich für die Produktionsplanung. „Es ist sehr schön anzusehen, wenn die Varioline läuft. Natürlich verlangt sie vom Bediener aber auch ein gewisses Know-how. Deswegen ist für mich das Training unserer Belegschaft sehr wichtig, das wir von Krones Belgien erhalten.“
Insgesamt sind über 50 SKU (Stock Keeping Units) vorgesehen. Essenziell ist die Varioline auch deshalb, weil mittlerweile rund 40 Prozent der Biere international verkauft werden, vornehmlich in Westeuropa, aber auch transkontinental in Mexiko, Brasilien oder China. „Dafür brauchen wir eine hochflexible Anlage mit unterschiedlichsten Verpackungsmöglichkeiten. Belgisches Bier ist sehr bekannt in der Welt, das ist unser Vorteil im Export“, sagt Xavier Vanneste.
Die Flexibilität dieser Varioline ist sehr hoch. Sie erlaubt uns, ganz unterschiedliche Verpackungen zu produzieren.



„Die Entscheidung für Krones fiel letztendlich leicht“
Dank der Kapazitätssteigerung genügt es derzeit, die Linie mit einer Schicht zu betreiben. Rund 65.000 Hektoliter füllt die Brauerei pro Jahr, etwa zwei Drittel davon in Flaschen. De Halve Maan kann relativ große Chargen fahren, eine Umstellung findet nur drei- bis fünfmal pro Woche statt.
„Die Installation der kompletten Linie verlief in meinen Augen sehr gut“, sagt Bernard Degroote. „Das Krones Team war groß und bemühte sich die ganze Zeit, unser Bedienpersonal zu integrieren und in die Anlage einzuweisen.“ Als Verantwortlicher für die Produktionsplanung der Abfüllung war Degroote auch in die Vergabe des Auftrags involviert. „Wir haben uns einige Referenzanlagen verschiedener Hersteller angeschaut. Da wir schon gute Erfahrungen mit Krones bei der ersten Glaslinie und dem Sudhaus hatten und Krones gefühlt die meisten Linien dieser Größenordnung in Belgien installiert hat, fiel die Entscheidung letztendlich leicht“, erklärt er und Braumeister Frederik Verstringe konkretisiert: „In unseren Augen bot Krones das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis und einen starken Service in Belgien, weil es hier eben schon so viele Anlagen von Krones gibt.“ Um Wartung und Instandhaltung sicherzustellen, vereinbarte De Halve Maan mit Krones einen Service-Vertrag über sieben Jahre.
In unseren Augen bot Krones das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis.

„Es war ein nettes Team“
„Krones arbeitet sehr professionell: Das sind die Experten für Komplettlinien, die wissen, was sie machen“, lobt Xavier Vanneste die Zusammenarbeit. „Es war ein nettes Team, der menschliche Faktor spielt immer eine große Rolle. Es gab natürlich wie immer Herausforderungen, es gab aber auch immer Lösungen.“ Jetzt geht es darum, am Ball zu bleiben, wie der Brauereichef weiß: „Wir sind zuversichtlich, dass wir mit intensivem Training von Krones unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch tiefer mit der Linie vertraut machen und die neuen Möglichkeiten noch besser nutzen können. Eine erfolgreiche Produktion ist mehr und mehr eine Frage des Wissens, der richtigen Mitarbeiter und des menschlichen Umgangs miteinander.“
Während einige seiner Familienmitglieder zu Beginn skeptisch waren, als Xavier Vanneste die Braugeschäfte wieder aufnahm, hat er diese nun eines Besseren belehrt: „Wir dürften inzwischen die am stärksten wachsende Brauerei Belgiens sein“, glaubt er. Inzwischen sind alle stolz auf Xavier Vanneste und seine Entscheidung, wieder in die Braubranche einzusteigen.
Krones, das sind die Experten für Komplettlinien, die wissen, was sie machen.



Eine der meistbesuchten Brauereien in Belgien
Die alte Braustätte von De Halve Maan im Zentrum des Touristenmagneten Brügge ist heute mit einem Museum und einem Ausschank mit Restaurant ausgestattet, begrüßte vor der Coronavirus-Pandemie jährlich mehr als 100.000 Besucherinnen und Besucher und gehörte damit zu den meistbesuchten Brauereien des Landes. Doch der siebenmonatige Lockdown in Belgien hat der gastronomieorientierten Brauerei, wie vielen anderen auch, stark zugesetzt und den Absatz mehr in Richtung Einzelhandel verschoben. Jetzt erholt sich das Geschäft zwar wieder, aber „2020 und 2021 waren zwei verlorene Jahre“, konstatiert Xavier Vanneste und ergänzt ironisch: „Es war der ‚perfekte‘ Zeitraum für den Start einer neuen Abfüllanlage.“ Doch auf jeden Regen folgt Sonnenschein – und De Halve Maan ist nun mit der neuen Abfüllung bestens gerüstet, um voll durchzustarten.
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Manfred Kaiser

