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Backstage

„Bereut haben wir nie was“

Christine Rüth

Gab es auch Ideen, deren Vorteile die Kunden nicht verstanden haben?

Kronseder: Ja, ein Beispiel ist der Direktdruck, also das Konzept, per Digitaldruck das Etikett direkt auf die Flasche zu drucken. Gerade bei Haushalts- oder Kosmetikprodukten bedienen manche Firmen ganz Europa aus einer einzigen zentralen Fabrik heraus und müssen dafür bedruckte Flaschen in vielen regionalen Versionen vorhalten. Mit Direktdruck hätte man eine Blanko-Flasche, die man außerdem für spezielle Verkaufsaktionen individuell bedrucken könnte. Trotz dieser Vorteile und obwohl auch Kunden uns in der Entwicklung bestärkt haben, haben sich die DecoType Maschinen kaum verkauft. Das wundert mich immer noch. 

Und Ideen, die im Detail gescheitert sind?  

Kronseder: BEVkeg war so etwas. Kegs, also Bierfässer aus Metall, werden beim Zapfen mit CO2 beaufschlagt, damit das Bier oben rausströmt. Ein damaliger Krones Entwickler hatte die Idee, das ohne CO2 zu machen – und zwar in einen Einweg-PET-Behälter. Dieses sogenannte BEVkeg wurde dann beim Zapfen von unten mit einem Stempel nachgedrückt und dadurch elastisch komprimiert. Der Entwicklungsaufwand war nicht unerheblich, und die Idee stieß auch auf großes Interesse in der Fachwelt. Aber als Alternative zu herkömmlichen Zapfsystemen konnte es sich trotzdem nicht durchsetzen, daher haben wir das Ganze nach einigen Vermarktungsversuchen wieder eingestellt.  

Erinnern Sie sich an gute Ideen, die nie umgesetzt wurden?

Kronseder: Ich war immer ein Fan von Lightweighting – nicht nur bei Flaschen, sondern auch bei Maschinenteilen, zum Beispiel, damit Bedienungsleute beim Umrüsten einer Etikettiermaschine nicht so schwer heben müssen. Wir haben lange mit superleichten Greifern, Wellen etc. aus Kohlefasern experimentiert. Am Ende wurde das aus Kostengründen nicht umgesetzt. 

Wie stark bringen die Kunden Innovationen voran? 

Wahl: Ein gutes Beispiel ist die Lightweight-Flasche für stilles Wasser. Wer Milliarden Flaschen abfüllt, für den zahlen sich auch 0,5 Gramm weniger PET pro Preform aus. Es war nicht trivial, das Gewicht der Preforms so weit abzusenken und die instabile Flasche in der Anlage zu verarbeiten. Schwierig war auch das Palettieren, ohne dass die unterste Schicht einer voll beladenen Palette einknickt. Da hat uns ein US-amerikanischer Kunde echt getrieben. Wir waren dann Vorreiter bei Lightweight-Flaschen und hatten damit auch bei anderen Kunden Wettbewerbsvorteile.   

Kronseder: Noch ein Beispiel ist die 100.000er PET-Linie. Da hat derselbe Kunde darauf beharrt, keine zwei 50.000er Linien zu bekommen, sondern eine einzige 100.000er Linie. Es war extrem herausfordernd, so einen ErgoBloc zu entwickeln, aber heute verkaufen wir diese Lösung auch an andere Kunden. 

Bei der Block-Idee war die Fachwelt sehr skeptisch, ob das funktioniert, aber die Technologie ist bis heute erfolgreich. Gibt es ähnliche Beispiele?  

Kronseder: Der Acculink und Accutower. Das waren dynamische Pufferelemente zwischen Blasmaschine und Füller beziehungsweise zwischen Füller und Etikettierer. Im Unterschied zu herkömmlichen Puffersystemen haben sie die Behälter nicht auf einer horizontalen Bahn befördert, sondern auf einer vertikalen Spirale. Es war eine irre Konstruktion und alle haben gesagt, das geht nie. Aber wir haben es hingekriegt und das System ein paar Mal ausgeliefert. Die Entwicklung des ErgoBloc hat diese Art des Pufferns dann obsolet gemacht. 

Acculink D757_26
„Eine irre Konstruktion“: Das Puffersystem Acculink transportierte Flaschen auf einer spiralförmigen Bahn.
Acculink D757_26
„Eine irre Konstruktion“: Das Puffersystem Acculink transportierte Flaschen auf einer spiralförmigen Bahn.

Welche aktuellen Neuentwicklungen sind aus Ihrer Sicht wegweisend für morgen?

Kronseder: Die Integration der PET-Spritzgießmaschine Prefero in die Linie. Die Preforms werden bei etwa 200 Grad gespritzt, da sind sie noch steril. Wenn man sie gleich in diesem Zustand in die Blasmaschine transferiert, spart man die Preform-Sterilisation. Und selbst wenn es anfangs nicht gelingt, den sterilen Zustand aufrechtzuerhalten, spart man in jedem Fall Energie. Normalerweise wird der ganze Preform abgekühlt. In einem integrierten Prozess muss man nur das Gewinde abkühlen und kann die Restwärme der Preform für das Streckblasen nutzen. Wenn wir dann noch die recycelten PET-Flakes direkt in die Spritzgießmaschine packen, ohne sie vorher, wie es aktuell der Fall ist, unter Energieeinsatz in Granulat zu verwandeln, hätten wir statt heute drei Erhitzungsvorgängen nur mehr einen.  

Wahl: Ein großer Schritt nach vorne ist die Ingeniq. Da werden die gesamten verfügbaren Zustandsdaten einer Abfüllanlage zu uns übertragen und wir haben immer den Überblick, was passiert. Dafür garantieren wir den Kunden eine bestimmte Leistung und Effizienz. Und wir helfen, die Linie zu verbessern, indem wir die gesammelten Daten analysieren und Ansatzpunkte suchen, um den Wirkungsgrad weiter zu verbessern. Ingeniq ist ein wichtiger Fortschritt für unsere Kunden, insbesondere für diejenigen mit Hochleistungsanlagen. 

 

Wie steht Krones in Sachen Patente da?

Wahl: In der Statistik des Deutschen Patentamts ist Krones in den letzten Jahren regelmäßig unter den Top 30 der deutschen Firmen und an der Spitze der Maschinenbauer. 2025 hatten wir über 300 beim Amt eingereichte Neuanmeldungen und fast 600 interne Erfindungsmeldungen, das ist ein Rekord für uns. 

Gibt es ein Patent, das die Konkurrenz am allermeisten geärgert hat? 

Beide gleichzeitig: Das Hochleistungs-Etikettieraggregat! 

2025 hatten wir über 300 beim Deutschen Patentamt eingereichte Neuanmeldungen und fast 600 interne Erfindungsmeldungen, das ist ein Rekord für uns.

Matthias Wahl
 

Was hat sich im Patentwesen verändert?

Wahl: Wir haben lange nicht in China angemeldet, aber das machen wir jetzt seit über 15 Jahren recht umfangreich und ich halte das für richtig. China hat ein Patentsystem nach deutschem Vorbild eingeführt und wir haben dort auch schon Patentprozesse gewonnen. Softwarebasierte Ideen haben wir, wie viele andere Unternehmen auch, früher kaum angemeldet. Seit etwa zehn Jahren melden wir auch in diesem Bereich an, weil die Digitalisierung immer wichtiger wird. Selbst wenn eine Patentverletzung nur schwer oder mit hohem Aufwand nachweisbar ist, dokumentiert eine Anmeldung von unserer Seite den Stand der Technik. Das verhindert, dass andere etwas anmelden auf Basis einer Idee, die wir schon vorher hatten, und deren Patent uns dann blockiert. 

Oft kommen Innovationen von einzelnen Menschen, die denken „das muss doch besser gehen“. Wie kann das Unternehmen diesen Ideenreichtum aufnehmen? 

Kronseder: Man braucht ein Klima der Neugier und dass jemand für seine Idee nicht runtergemacht, sondern ermutigt wird. Natürlich haben auch unsere Konkurrenten gute Erfinder. Aber ich denke, wir haben bei Krones schon eine Kultur, die findige Menschen ernst nimmt und – in gewissen Grenzen natürlich – einfach mal machen lässt.  

 

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